UnschulddesAtmens

Von der Unschuld des Atmens

Das Bonner Ensemble S.U.B. Kultur brillierte in einem Stück von Chris Nolde

VON ANTJE STILLGER

BONN. Verzweifelt, krank und pathologisch schlecht gelaunt vegetiert der erfolglose Schriftsteller Henri Paul in seinem Caravan auf einem abgelegenen Campingplatz vor sich hin. Hier, an diesem einsamen Ort, fernab der alltäglichen Zivilisation, sucht der Autor nach Inspiration, doch die will einfach nicht kommen, stattdessen stellen sich Panikattacken ein und jetzt hat sich auch noch eine Künstler-Kommune neben seinem Grundstück niedergelassen. Die Luft zum Atmen wird also knapp für den Literaten.

Einen komplexen Plot mit hochaktuellen Fragen bietet das Stück "Von der Unschuld des Atmens" aus der Feder des Bonner Autors Chris Nolde, das nun im Kuppelsaal des Metropol (Thalia) Premiere feierte. Es handelt sich um eine Koproduktion des Jungen Theaters Bonn (JTB) mit dem Studierendenensemble S.U.B.- Kultur (Schauspiel Uni Bonn). Das Ensemble bescherte den Besuchern einen packenden Theaterabend und Regisseur Marcus Brien bewies nicht nur bei der Auswahl der jeweiligen Schauspieler für ihre Rollen ein besonderes Händchen, sondern überzeugte auch aus künstlerischer Sicht mit seiner Inszenierung in allen Punkten.

Schwere Kost liefert das Stück eigentlich, denn Nolde beschäftigt sich kritisch, klug und fundiert mit der Leistungsgesellschaft, setzt sich mit den grundlegenden Ideen von Arbeitsmoral, Selbst- und Fremdbestimmung auseinander. Doch Von der Unschuld des Atmens verliert sich glücklicherweise nicht in einen bitterbösen Abgesang auf die hiesigen Verhältnisse, gespickt mit schweren Kassandrarufen, sondern besticht mit einem herrlichen Drahtseilakt zwischen erfrischender Leichtigkeit und echter Nachdenklichkeit.

Das Schöne daran: Keiner ist sich letztendlich selbst sicher und alle sind auf der Suche. Während sich die Mitglieder der Kommune in der Gemeinschaft nach neuen Lebensmodellen und Freiräumen sehnen, verkörpert Henri Paul, grandios von Nicolas Mittler gespielt, den "Steppenwolf", Nicolas Mittler überzeugt in der Rolle des Henri Paul. der an sich selbst und der Welt erkrankt. Kein Wunder, dass beim Zusammentreffen dieser beiden Glaubensrichtungen schnell Konflikte hervortreten. In ausgefeilten Dialogen diskutieren die Ensemblemitglieder ihre Ideen mit einer Dynamik, die das Theaterherz höher schlagen lässt. Eine hochgradig aufgeheizte Atmosphäre entsteht, die der sommerlichen Temperaturen im Kuppelsaal gar nicht erst bedurft hätte. Chapeau!

 

Hier müsste ein starkes Selbstzitat stehen (Chris Nolde)